Toxisch – wenn Menschen Gift sind

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Toxisch macht krank

Was bedeutet es, wenn andere Menschen toxisch für uns sind? Das Phänomen „Toxische Kommunikation“ ist seit längerer Zeit bekannt. Zudem kommt seit einigen Jahren vor allem in den USA) eine Diskussion darüber in Gang, dass ein gewisser Personenkreis offenbar „toxisch altert“. Diese Giftigkeit im Erleben und Verhalten kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Sie ist gefährlich, weil sie oft unerkannt bleibt und die Betroffenen „hineinzieht“. Die Kriegskinder-Generation in Deutschland scheint im Alter in höherem Maße anfällig zu sein. Nach bisherigen Schätzungen gehen Forscher in den USA von etwa 3-5 Prozent alter Menschen aus, die toxisch sind. Nach meinen Erfahrungen aus der Praxis sehe ich diesen Anteil in Deutschland bei deutlich über 5 Prozent.

Der Kontakt mit toxischen Menschen ist für jede(n) eine erhebliche Belastung. Arbeitsplatz, Freizeit, Freunde, Partnerschaft. Überall kann sich Toxisch-Sein festsetzen und zum bestimmenden Prinzip werden. Kriegsenkel sind allerdings besonders gefährdet, diese Toxizität auch für sich selbst zu übernehmen. Sie haben oftmals eine geschwächte Widerstandskraft gegenüber emotionaler Manipulation. Auch ist ihnen der Umgang mit Gefühlen aberzogen (oder nie anerzogen) worden. Und ihre chronischen Schuldgefühle sind der ideale Nährboden für giftige Kommunikation. Es handelt sich also um ein „ansteckendes Gift“. Zumindest werden Kriegsenkel vermehrt in den toxischen Konflikt hineingezogen und leiden in erheblichem Maße.

Toxisch – ja oder nein?

Wir können an uns selbst erkennen, ob wir toxischen Einflüssen ausgesetzt sind. Wiederum wird es Kriegsenkel*Innen oftmals schwerer fallen, diese Anzeichen wahrzunehmen, da sie genau dort ihr Handicap haben.

Typische Gefühle nach toxischer Exposition:

  • Ich fühle mich hilflos, wie betäubt, „überfahren“.
  • Ich fühle mich minderwertig, beschmutzt, klein.
  • Gefühle einer unklaren, ängstlichen Unruhe
  • Ich fühle Wut.
  • Ich bin traurig.

Hinzu kommen fast immer auch Körpersymptome:

  • Spannung und Vibrieren der Muskulatur
  • Kopfschmerzen oder Druckgefühl
  • Druck oder Ziehen im Solarplexus
  • Atembeklemmung
  • Herzrasen oder Rhythmusstörungen
  • unangenehmer Körpergeruch und Schwitzen

Zeichen gestörter Kommunikation:

  • Meine Stimme ändert sich.
  • Ich nehme körperlich Abstand.
  • Mir ist unwohl in der Situation, ich will da heraus.
  • Ich zeige Reaktionen (Wut, Unterwürfigkeit), die ich sonst gut kontrolliere.
  • Meine Meinung steht fest, bevor alle Argumente dargelegt sind.
  • Ich sehe mein Gegenüber als Gegner.
Toxisch-Sein heißt Schädigen

Ein chinesisches Sprichwort sagt:

Hüte dich vor Freunden, die dir schaden wollen. Sie sind schlimmer als deine ärgsten Feinde.

Klingt banal. Oder doch nicht? Haben wir in unserer Umgebung Bekannte, Partner, Kolleg*Innen, die immer mal wieder sagen, sie „hätten es nicht so gemeint“? Wir wären ja so „empfindlich“ und legen jedes Wort „auf die Waagschale“? Sie tun dies, nachdem sie einen Witz gemacht haben. Oder eine kleine gehässige Bemerkung. Oder nachdem sie mit anderen Personen über uns gesprochen haben. Manchmal reicht auch ein Blick. Was passiert da in uns?

Wer toxisch ist, dreht sich nur um sich selbst. Solche Menschen erhöhen sich, indem sie andere klein machen. Giftige Menschen haben einen gestörten Zugang zu ihrem Selbst. Sie sehen sich als Opfer vieler Ungerechtigkeiten. Sie jammern und klagen, ohne jemals einen (fiktiven) Verlust wirklich zu überwinden. Das heißt, sie können nicht wirklich trauern.

Toxisch – die Transaktionsanalyse

Im Modell der Transaktionsanalyse (nach dem amerikanischen Psychiater Eric Berne; kurze Einführung bei Wikipedia) sind toxische Menschen in ihrem Kind-Ich „steckengeblieben“. Sie durften nie natürliche Kinder sein, die ihre Bedürfnisse entdecken und ausleben. Stattdessen werden sie zu manipulativen Kindern, die diverse „Tricks“ entwickeln, um es den Eltern (und anderen Bezugspersonen) recht zu machen. Und dabei dennoch einen Teil der eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Als Erwachsene sind sie Meister der Manipulation und Jongleure darin, anderen die Schuld zuzuweisen. Sie fühlen sich dauerhaft als Opfer und ihnen fehlt die erwachsene Reife, dieses Zustand zu überwinden.

Typische Äußerungen toxischer, alter Menschen sind:

„Was habe ich nur mit dir falsch gemacht?“

„Ach, wäre doch alles schon vorbei!“

„Du weißt gar nicht, was ich alles durchmachen musste.“

„Ich wollte immer nur dein Bestes.“

„Ist schon gut, lass nur…“

„Immer war ich nur für andere da.“

Aus diesen Sätzen und Stoßseufzern klingt durch, dass diese Personen sich als „arm dran“ und von der Welt (und vor allem ihren Kindern!) missverstanden fühlen. Wenn sich Angehörige darauf einlassen, dann stecken sie von einem Moment zum nächsten in der Opfer-Täter-Schuld-Spirale. Die Transaktionsanalyse nennt diese Mechanismen auch „Spiele“. Das manipulative Kind (im alten Menschen) spielt Psycho-Spiele mit seiner Umgebung. Und das ist hochgradig toxisch. Ich möchte nochmals betonen: Kommunikation und Verhalten, die toxisch sind, gehen uns alle an. Wir treffen das Problem in vielen Lebenssituationen an. Und es ist – bis zu einem gewissen Grad – „normal“. Kriegsenkel*Innen sind jedoch besonders anfällig, als Co-Opfer mit in die Spiele hineingezogen zu werden.

Im nächsten Teil erfahren Sie, wie Sie aus diesen toxischen Psycho-Spielen herauskommen können. Mit dem Email-Abo verpassen Sie den Artikel auf keinen Fall (Anmeldung werbefrei und unverbindlich).

Übrigens wurde ich durch den aktuellen US-Präsidenten zu diesem Thema inspiriert („Toxische Menschen – das Phänomen Trump“).

Autor: JMW

Ich bin seit mehr als 20 Jahren als Arzt tätig. Meine Schwerpunkte liegen dabei im naturheilkundlichen Bereich. Bereits während des Studiums kam ich mit dem Thema "Trauma-Vererbung" in Kontakt. Narrative Therapie, Elemente der Chinesischen Medizin und EMDR bilden die Basis meiner Trauma-Arbeit. Im Februar 2017 wird ein Buch von mir zu diesem Thema erscheinen.

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