Mehr als ein Kriegsenkel-Buch ?

Kriegsenkel-Buch Traumakinder Sabine Bode
Oder: Welches Kriegsenkel-Buch nehme ich?

Wenn Sie sich entscheiden, mehr zum Kriegsenkel-Thema zu erfahren, was liegt dann näher, als ein Kriegsenkel-Buch zu erwerben? Die Antwort auf die erste, ganz oben gestellte Frage ist einfach: Ja, Sie brauchen mehr als ein Buch. Die zweite Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Aber ich versuche es…

Nun bin ich als Autor von „Traumakinder“ naturgemäß nicht ganz unvoreingenommen. Ich hoffe, Sie als Leser*in nehmen mir dennoch ab, dass ich hier eine möglichst neutrale Bewertung zur Frage „Kriegsenkel-Buch“ versuchen werde.

Betrachten wir einfach eine beliebige Situation, zu der wir etwas erfahren, also lernen wollen. Wie gehen wir da im Normalfall vor? Üblicherweise werden wir einerseits durch unsere Umgebung (Medien, Freunde, Partner, Kolleg*innen) motiviert, uns mit einem Thema zu beschäftigen. Oder wir erleben eine sogenannte intrinsische Motivation, also unser Selbst strebt nach neuer Kenntnis (vielleicht weil wir uns krank fühlen).

Der erste Schritt

Wir sind da oft zu Beginn ähnlich hilflos wie bei einem neuen, lauten Klopfgeräusch im Motor unseres Autos. Was ist das? Darauf wissen wir (zunächst) keine Antwort. Also brauchen wir Unterstützung. Beim Kriegsenkel-Thema ist es ähnlich. Irgendetwas bereitet uns Sorge. Oder wir haben Fragen. Nun können wir entweder eine Therapeutin aufsuchen. Oder wir informieren uns, wir lesen im Internet, sprechen mit Freuden. Und kaufen (oft) ein Kriegsenkel-Buch.

Diese Entscheidung hat ganz praktische Gründe. Erstens ist es gar nicht einfach, einen Therapeuten zu finden, der sich mit dem Kriegsenkel-Thema auskennt. Zweitens sind solche Therapien nicht gerade billig (weil sehr oft privat finanziert). Warum soll da wertvolle Zeit (und somit Geld) dadurch vergeudet werden, dass wir zunächst die Basis-Informationen erwerben müssen? Dies geht mit einem Kriegsenkel-Buch sehr viel preiswerter. Drittens haben wir häufig den Wunsch, eher selbstbestimmt (also auch informiert) an die Sache heranzugehen. Und last (but not least!) sind Sie vielleicht gar nicht die direkt Betroffene. Vielleicht möchten Sie Ihren Partner besser verstehen und unterstützen? Ihre beste Freundin? Ihre Eltern? Da brauchen Sie selbstverständlich nicht selbst zum Therapeuten zu gehen.

Wie mache ich es?

Also, was zuerst? Ich rate dazu, sich einen Überblick zu verschaffen. Da scheint an der Erstautorin zum Thema kein Weg vorbei zu führen: Sabine Bode. Die Journalistin hat vor mehr als zehn Jahren das Kriegsenkel-Thema nicht nur ins Gespräch gebracht. Sie hat in inspirierender Weise eine neue Sicht für die Probleme deutscher Nachkriegsgenerationen eröffnet. Sie war dabei mit ihren Ideen auch für uns Therapeuten „realitätsschaffend“. Vor zwanzig Jahren wären Kriegsenkel*innen schlichtweg nur als depressiv erkrankt beurteilt worden (und wurden es!). Sabine Bode hat mit ihrer Arbeit die Öffentlichkeit nicht nur sensibilisiert, sie hat sie quasi aufgeweckt.

Nun ist sie aber selbst keine Therapeutin, so dass viele Leser*innen nach gewisser Zeit quasi „steckenbleiben“. Auch eine Darstellung der psychotherapeutischen Trauma-Pathogenese (die Lehre von der Entstehung einer Störung) sucht frau/man bei ihr vergebens. Aber nochmals: das schmälert das Verdienst der Autorin in keiner Weise! Sie erwarten ja üblicherweise auch von einem Arzt nicht, dass er Ihre Schuhe besohlt.

Der Lübbe-Verlag und ich haben darüber lange beraten. Und wir sehen „Traumakinder“ ebenfalls als eine Art Basiswerk im Kriegsenkel-Buch Bereich. Wichtig schien es, die Trauma-Problematik der Kriegsenkel*innen in eine gewisse, fachbezogene Ordnung zu bringen. So soll den Betroffenen das Erkennen und die Einordnung der eigenen Person erleichtert werden. Wichtig sind aber auch die Lösungsansätze: Was können Sie selbst angehen? Wann brauchen Sie eine Therapeutin? Und wie erkennen Sie deren Qualifikation? Diese Inhalte sollten dann in lesbarer, verständlicher Form dargeboten werden. Hier ähnelt „Traumakinder“ den Büchern von Sabine Bode. Es sind Lebens- und Fallgeschichten, die die Leserin durch das Thema führen. Trockenes Fachgeschwafel wird frau/man vergebens suchen. Und wohl auch nicht vermissen 😉

Wie geht es dann weiter?

Nach dem Erwerb des Grundlagenwissens können Sie dann in spezielle Themen einsteigen. Zwar liefert „Traumakinder“ auch hier Anregungen, aber es wäre vermessen, ein Buch zum „Allrounder“ für alles erklären zu wollen. Wenn Sie merken, dass bestimmte Themen für Sie besonders wichtig sind, dann gehen Sie dort „hinein“. Im Anhang von „Traumakinder“, aber auch hier auf der Website (Lesenswertes) finden Sie erste Lese-Hinweise für speziellere Themen. Als Beispiele sind im Ursachen-Bereich zu nennen:

  1. Schweigen zwischen den Generationen
  2. Frühkindliche Bindungsstörung
  3. Schwarze Pädagogik
  4. Unklare Gefühlswelt
  5. Täter-Opfer-Welt

Und im therapeutischen Bereich:

  1. Arbeit mit dem Inneren Kind
  2. Konzept der Inneren Bühne
  3. Achtsamkeit und Meditation
  4. Auflösen negativer Glaubenssätze
  5. Chancen der Kriegsenkel*innen

Es ist mein Anliegen, dass sich „Traumakinder“ neben den Werken von Sabine Bode als grundlegendes Kriegsenkel-Buch etabliert. Dabei aber mit etwas mehr therapeutischem Bezug. Befreundete Psychologen und ärztliche Kollegen haben mir signalisiert, dass mein Buch hier einen wichtigen Beitrag zur Beratung der Betroffenen leisten kann. Ich wünsche allen Betroffenen (und deren Angehörigen) von ganzem Herzen, dass sie ihren Weg finden mögen. Ich würde mich freuen, wenn die Seelenreise, die ich mit Ihnen in „Traumakinder“ unternehme, eine kleine Hilfe auf dem Weg zu Ihrem innerem Frieden wird.

Autor: JMW

Ich bin seit mehr als 20 Jahren als Arzt tätig. Meine Schwerpunkte liegen dabei im naturheilkundlichen Bereich. Bereits während des Studiums kam ich mit dem Thema "Trauma-Vererbung" in Kontakt. Narrative Therapie, Elemente der Chinesischen Medizin und EMDR bilden die Basis meiner Trauma-Arbeit. Im Februar 2017 wird ein Buch von mir zu diesem Thema erscheinen.

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