Grenzen der Maßlosigkeit

Maßlosigkeit Abgrenzung Kriegsenkel Traumakinder
Wo endet die Maßlosigkeit?

Wird Maßlosigkeit zum Lebensprinzip? Es stimmt schon nachdenklich, wenn wir Donald, Recep, Wladimir & Co. betrachten. Oder das schamlose Vorgehen vieler Großunternehmen. Aber nicht nur in Politik und Wirtschaft nimmt Maßlosigkeit zu. Auch die kleinen Rädchen unseres Berufs- und Privatlebens drehen sich immer schneller. Höher, weiter, größer. Nimmt es da Wunder, dass diejenigen, die uns „führen“, aus demselben Holz geschnitzt sind? Können wir uns gerade deshalb so trefflich echauffieren, wenn D.T. oder R.E. wieder mal aus der Rolle fallen? Trifft sie unser Hass, weil wir selbst die Wurzeln dieses Hasses in uns tragen? Sind diese Leute die personifizierten dunklen Schatten unseres Selbst? Wären wir nicht gern – um mit Nietzsche zu sprechen – auch so ein „Übermensch“? Ausgestattet mit Macht und Geld? Vermeintlich frei, zu tun und zu lassen, was wir wollen?

Kein Maß ohne Grenzen

Maß halten können wir nur, wenn wir unsere Grenzen kennen. Und diese auch akzeptieren. Gerade da jedoch hat die Kriegsenkel-Generation eines ihrer Kernprobleme. Gäbe es ein „Kriegsenkel-Syndrom“ so wäre die mangelnde Fähigkeit einer Selbst-Abgrenzung ein Hauptsymptom. Wie kommt das? Die Eltern der heutigen Kriegsenkel wurden in der Kriegs- und Nachkriegszeit häufig traumatisiert. Durch mangelnde Sicherheit kam es zu einer transgenerationalen Bindungsstörung. In deren Folge wuchsen auch die zwischen 1955 und 1975 Geborenen mit einer inneren Verunsicherung auf.

Hinzu kamen oftmals familiäres Schweigen über die erlebten Traumata und eine psychologische Kontrolle durch die Eltern (Erziehung durch Triggerung von Schuldgefühlen). Kriegsenkel*innen leiden deshalb oft unter einer gestörten Selbstwahrnehmung (vor allen ihrer Gefühle), mangelnder Selbstfürsorge (da sie sich für „wertlos“ halten), fehlender Selbstbehauptung (im Sinne einer „gesunden“ Abgrenzung) und einem Verantwortungs-Shift (Kontrolle „über alles“ zur Vermeidung von übermäßigen Schuldgefühlen).

Unsere Verantwortung

Wir müssen erkennen, dass die Maßlosigkeit unserer Zeit nicht aus dem Nichts kommt. Sie generiert sich in uns, auch in uns Kriegsenkel*innen! Es ist an der Zeit, dies zu anzunehmen. Jammern und Klagen werden uns nicht weiter bringen. Im Gegenteil: Dadurch überlassen wir das Feld den „Big Playern“, den Narzissten, den Gierigen aus Prinzip. Und der beste Weg aus dieser Opfer-Spirale (denn wieder können sich Kriegsenkel*innen als Opfer sehen) ist das klare innere Statement: SO NICHT! bzw. NICHT MIT MIR! Der zweite Schritt ist die Gewaltlosigkeit, das Ausbrechen aus der Hass-Spirale. Denn der Hass richtet sich immer auch gegen uns selbst. Gegen unsere eigenen, unverarbeiteten, nicht akzeptierten dunklen Anteile. Das heisst nicht, dass wir nicht wütend sein dürfen. Nur sollte aus der Wut die Kraft zum Handeln erwachsen, nicht die Kraft, zu hassen.

Wir werden manipuliert

Recep und Donald sind die großen Manipulatoren. Aus Sicht der Transaktionsanalyse sind sie sogar sogenannte „manipulative Kinder“. Menschen bleiben in diesem frühen Entwicklungsschritt stecken, wenn sie selbst vor großen innerseelischen Problemen stehen/standen. Sie durften als Kinder nicht so sein, „wie sie sind“. Sie haben früh gelernt, ihre Bedürfnisse dadurch zu befriedigen, dass sie tricksen und manipulieren. Und diese Entwicklungsunreife haben sie in ihr Erwachsenalter mitgenommen. Recep kommt offenbar aus einfachsten Verhältnissen, er hat früh lernen müssen, sich – auch mit Gewalt – durchzusetzen. Donald ist Erbe eines Vermögens. Verwöhnt, abgeschirmt, scheinbar sorgenlos. Wir können nur ahnen, was bei den beiden so alles schief gelaufen sein mag. Ich wage aber zu unken, dass sie keine glücklichen Menschen sind.

Manipulativen Kindern können wir nicht mit analytischem Erwachsenenverstand beikommen. Und negative Gefühle befeuern sogar noch ihren krankhaften Geltungsdrang. Praktisch tätige Pädagogen werden ein Lied davon singen können. Vielmehr müssen wir diesen Menschen als Eltern entgegentreten, und zwar als fürsorgliche Eltern. Und wir können über Frau Merkel denken, was wir wollen, aber diese unaufgeregte, fürsorglich-politische Elternrolle füllt sie derzeit gut aus. Besonnen bleiben, nicht provozieren lassen, eigene Gefühle erkennen, Grenzen behutsam, aber deutlich setzen, Chancen für die andere Seite offen lassen. Ja, das können fürsorgliche Eltern. Und eben dies brauchen der kleine Donald und Recep. Alles andere führt in den Krieg…

Die angepassten Kriegsenkel

Leider sind Kriegsenkel*innen oft in einer anderen Kindrolle stecken geblieben, und zwar in der Rolle des sogenannten „angepassten Kindes“. Eigene Bedürfnisse zurücknehmen und schließlich verlernen. Sich hin und her schieben lassen. Konflikte vermeiden, da sie die eigene zerbrechliche Seelenwelt ins Wanken bringen. Kontrolle anstreben. Für das Wohlergehen der Umwelt (vor allem der Eltern!) sorgen, da die Schuldgefühle sonst unerträglich werden. So werden Kriegsenkel häufig zu den (scheinbar) großen Duldern. Für Menschen wie Recep und Donald sind sie dann willfährige Rangiermasse. Sie leben ihre Toxizität an uns aus. Weil wir es zulassen…

Wollen wir das? Wie durchbrechen wir den Zirkel der Maßlosigkeit? Ein Weg ist die Nachreifung des Selbst. Vor allem müssen wir uns selbst die Eltern-Anteile ersetzen, die fehlen. Ich habe dazu in meinem Buch „Traumakinder“ wertvolle Hinweise gegeben. Hierdurch treten wir aus der Rolle der angepassten Kinder in die Rolle der Erwachsenen ein. Mit der (in dieser Form einmaligen) Erfahrung ehemaliger Unmündigkeit können Kriegsenkel*innen dann die Chance ergreifen, toxische Menschen zu stoppen. Konkret heißt das, Farbe zu bekennen. Aus der Wut wird Mut zum Handeln. Keine(r) soll später sagen, er/sie hätte es nicht gewusst! Wir haben die Wahl, wir können Stellung beziehen. Für Demokratie und Frieden. Ich bin sogar davon überzeugt, dass viele gemäßigte Menschen (gleich welcher Nationalität) in dieser Frage hoffnungsvoll auf Deutschland blicken. Sie erwarten von uns ein klares Bekenntnis gegen Radikalität und Unwürde. Auch und gerade gegen D.T. und R.E.

P.S.: Im Juli ist G-20-Treffen in Hamburg. Also Zeit für ein friedliches Signal gegen toxische Menschen, gegen Missgunst und Ausgrenzung! Handeln, nicht hassen!

Autor: JMW

Ich bin seit mehr als 20 Jahren als Arzt tätig. Meine Schwerpunkte liegen dabei im naturheilkundlichen Bereich. Bereits während des Studiums kam ich mit dem Thema "Trauma-Vererbung" in Kontakt. Narrative Therapie, Elemente der Chinesischen Medizin und EMDR bilden die Basis meiner Trauma-Arbeit. Im Februar 2017 wird ein Buch von mir zu diesem Thema erscheinen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.