Gibt Jesus Antworten auf unsere Traumata?

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Jesus als Traumatherapeut

Christen in aller Welt feierten gestern Nacht das Hochfest der Auferstehung Jesu:

Karfreitag ging er ans Kreuz, um uns von der Sünde zu erlösen.

Und unsere Schuld ist uns durch seinen Tod vergeben.

Na, da finden sich schon gleich mehrere Begriffe, die den modernen, aufgeklärten, mit freiem Willen ausgestatteten Menschen aufhorchen lassen und wahrscheinlich sogar abschrecken: Erlösung. Sünde. Schuld. Vergebung.

Wer nutzt diese Worte noch? Und wer lässt sich noch Sünde einreden? Wer lässt sich gar davon erlösen? Und Schuld? Sie ist zum Alltag, quasi zur Routine geworden. So sie uns nicht mit dem Gesetz in Konflikt bringt, scheint sie schnell vergessen. Und Vergebung? Soweit kommt es noch! Dass wir uns etwas vergeben lassen müssen! Denn das Recht auf Vergebung würde ja jemandem Macht über uns einräumen. Nein, nein. Da wechseln viele Menschen lieber schnell den Sender. Gepaart mit dem Vorwurf an „die Kirche“, dies seien altbackene, überkommene Konzepte, die heute schlichtweg keine Bedeutung mehr haben.

Ist Glaube, ist Jesus noch aktuell?

Aber ist das wirklich so? Ersetzen wir doch die alten Worte mal durch moderne Varianten, so kommen uns diese „Konzepte“ wieder bekannter vor:

Sünde = innere Verstrickung

Erlösung = Lösung

Schuld = Belastung

Vergebung = Befreiung.

So wäre dann ein moderner Jesus vielleicht ans Kreuz gegangen, um unsere inneren Verstrickungen zu lösen? Und wir würden dadurch von unseren Lasten befreit?

Mensch-Sein ist immer kompliziert

Menschliches Handeln wird immer zu Belastungen führen. Im alten Sinne wäre es sogar Schuld zu nennen. Wir können es eben nie allen „Recht machen“, also begehen wir auch Unrecht. Viele Menschen kennen auch das Phänomen, dass sie sich aufreiben für ihre Umgebung, ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihre Familie. Dabei begehen sie dann Unrecht gegen sich selbst, denn ihnen fehlt es an Selbstfürsorge. Unsere Autos pflegen wir, bringen sie zur Inspektion, damit sie lange halten. Aber uns selbst verausgaben wir oftmals bis zum letzten. Überlastung, Stress und Burnout sind Phänomene mangelnder Selbstpflege und mangelnder Abgrenzung. Wir lassen uns über Gebühr belasten und drohen schließlich unter den Lasten zu zerbrechen.

Was könnte uns dann ein moderner Jesus „bringen“? Was vermag er uns zu sagen? Wie kann er uns von Stress, Überforderung und anderen Lasten befreien?

Jesus – eine Liebeserklärung an das Leben

Die Geschichte Jesu, wie sie im Neuen Testament erzählt wird, ist eine Geschichte der Liebe. Die Jünger und Frauen wurden Zeugen göttlicher Liebe, die die Regeln einer Neuordnung menschlicher Beziehungen möglich machen. Einer Neuordnung im Zeichen von Zuwendung und Rücksichtnahme. Auch heute. Und gerade heute. Mit etwas Fantasie und „Übersetzungsarbeit“ sind die Aussagen Jesu hochaktuell, sie sind heilsam, psychotherapeutisch, ökologisch, politisch.

Dieser Christus zeigt die Wege auf, die wir beschreiten können, um aus den Überforderungsspiralen, den Hasstiraden, der Ausbeutung, der Respektlosigkeit heraus zu finden. Das ist rebellisch, revolutionär. Es missfällt den etablierten Eliten, die ihre Machtbasis bedroht sehen. Für dieses Gedankengut ist der Mensch Jesus – oberflächlich betrachtet – gestorben. Aber weder er noch seine Lehre sind verloren. Das ist die Aussage von Ostern: Heilung ist möglich. Immer. Überall. Aus den verfahrensten, hoffnungslosesten Situationen unseres Lebens können wir errettet werden. Ja, sicher, es ist Glaube: Jesus hat den Tod besiegt. Und damit das größtmögliche Trauma des Menschen bedeutungslos gemacht: eben jenen Tod. Wo dies möglich ist, soll ein Wegfall unserer „normalen“ Alltagssorgen, unserer Stressbelastung, unserer Ängste unmöglich sein?

Trauma heißt Verlust

Christus-Glaube ist Trauma-Arbeit. Denn letztlich sind alle Traumata Verluste: unser Vertrauen, die Unversehrtheit, der Glaube an das Gute, unser Selbstwert. Irgendwo hier schlägt ein Trauma mit aller Macht zu und zerschlägt die Grundannahmen der Betroffenen. Verlust ist immer ein „kleiner Tod“. Verluste sind schmerzhaft, weil sie uns an die Endlichkeit und Vergänglichkeit erinnern. Nur der „Todes-Überwinder“ kann hier trösten. Die Anhänger Jesu wurden durch den Verlust ihres Meisters traumatisiert. Sie zeigten (in den Schilderungen des NT) typische Symptome einer akuten Belastungsstörung: Sie waren wie betäubt und sprachlos, wanderten ruhelos umher. Sie konnten das Unfassbare nicht fassen. Alle Hoffnung schien in ihnen zerstört. Sie – nicht nur Jesus – waren Opfer brutalster staatlicher und menschlicher Gewalt. Und dieser Christus ersteht am dritten Tage auf. Welch eine Antwort! Größter Schmerz wandelt sich in größte Freude. Das ist das Wunder der Osternacht, das für gläubige Christen ungemein tröstlich ist.

Ich wünsche auch euch, dass ihr an diesem Wunder teilhabt. Gesegnete Ostern!

Autor: JMW

Ich bin seit mehr als 20 Jahren als Arzt tätig. Meine Schwerpunkte liegen dabei im naturheilkundlichen Bereich. Bereits während des Studiums kam ich mit dem Thema "Trauma-Vererbung" in Kontakt. Narrative Therapie, Elemente der Chinesischen Medizin und EMDR bilden die Basis meiner Trauma-Arbeit. Im Februar 2017 wird ein Buch von mir zu diesem Thema erscheinen.

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