Welche Therapie für Kriegsenkel hilft wirklich?

08/15-Therapie für Kriegsenkel?

Gleich vorweg: die eine Therapie für Kriegsenkel gibt es nicht. Vielleicht würden wir es uns wünschen, denn schließlich ist unsere Alltagserfahrung oft in einfachen Wenn-Dann-Beziehungen organisiert. Wenn der Wasserhahn tropft, dann muss man/frau es reparieren oder den Klempner holen. Wenn der Blinddarm entzündet ist, dann wird er operiert. Wenn der Apfel vom Baum fällt, dann fällt er nach unten. Nun ist aber die Welt viel komplizierter. Allein die letzte (Newtonsche = mechanische) Gesetzmäßigkeit gilt im subatomaren Bereich schon nicht mehr (da können Äpfel auch nach oben fallen). Und wer einmal richtig fiese Bauchschmerzen hatte und einem Arzt in die Hände fiel ( 😉 ), der/die weiß, dass so eine Diagnose doch nicht so einfach ist. Von Klempnern und ihren Rechnungen ganz zu schweigen…

„Welche Therapie für Kriegsenkel hilft wirklich?“ weiterlesen

Trauma und Fotografie

Was haben Trauma und Fotografie gemeinsam?

Trauma und Fotografie sind spätestens seit Ausreifung der technischen Möglichkeiten (hier vor allem durch kurze Belichtungszeiten) eng miteinander verwoben. Bereits aus dem Krimkrieg (1853-1856) liegen Bilder vor, die das Grauen der Schlachtfelder einfangen. Spätestens seit Beginn des 20. Jahrhundert ist eigentlich kein größeres (potentiell) traumatisches Ereignis mehr denkbar, ohne dass die Fotografie quasi dabei ist. Auch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust sind in Bildern festgehalten. Bilder wirken gegen das Vergessen, sie sind „da“. Und mit ihnen auch die Ereignisse, die sich in ihnen abbilden. Historiker sehen hier einen Grund, weshalb die Aufarbeitung jener Gräuel auch mehr als siebzig Jahre später nicht abgeschlossen sein kann.

„Trauma und Fotografie“ weiterlesen

EMDR – auch für Kriegsenkel?

Was kann EMDR für Kriegsenkel leisten?

Das Kürzel EMDR steht für „Eye Movement Desensitation and Reprocessing“. Obwohl die Methode in Deutschland erst seit Anfang der 1990er angeboten wird, ranken sich um sie bereits allerlei Mythen. Ich habe schon von der Revolution der Psychotherapie, einer Wunderwaffe oder sogar dem Sieg über das Trauma gelesen. So gern man daran glauben möchte, so sehr ist es schlichtweg Unsinn. EMDR ist einfach ANDERS. Es entzieht sich herkömmlichen Modellen der Medizin und Psychotherapie. Und es scheint die erste Methode zu sein, die an der „Grenze von Stofflichkeit und Energie“ einen hervorragenden, nicht zu leugnenden Wirksamkeitsnachweis erbringen kann. Aber ist EMDR für Kriegsenkel ebenfalls geeignet?

„EMDR – auch für Kriegsenkel?“ weiterlesen

Zehn Goldene Schreibregeln

Reden ist Silber, Schreiben ist Gold

Ich möchte Ihnen gern meine zehn Goldenen Schreibregeln vorstellen. Sie sind der Einstieg für das Schreiben. Diese Form der Selbsthilfe für Kriegsenkel ist tatsächlich erlernbar. Das Schreiben ähnelt in dieser Hinsicht – natürlich – dem Sprechen, das wir ja ebenfalls erlernen. Das Erlernen der Muttersprache ist zwar ein Sonderfall, aber gerade für Fremdsprachen gilt: Je öfter wir die Sprache nutzen, umso vertrauter wird uns der Umgang mit ihr. Und ebenso gilt für das Schreiben: Je öfter wir schreiben, desto leichter wird es uns fallen, weiterzuschreiben. Schreiben als Selbsthilfe stellt da keine Ausnahme dar. Der folgende Artikel wird Ihnen 10 Schreibregeln an die Hand geben, die Ihnen den Einstieg in eine selbstgeführte Schreibtherapie erleichtern.

„Zehn Goldene Schreibregeln“ weiterlesen

Schreiben für die Seele

Schreiben für die Seele drückt das Unaussprechliche aus

Wie angekündigt, werde ich hier versuchen, eine Einführung in die Praxis der Expressiven Schreibtherapie zu geben. Was macht das „Schreiben für die Seele“ so besonders? Auf den ersten Blick scheint es doch nur eine „normale“ Fähigkeit zu sein, ähnlich dem Laufen oder Sprechen. Dem ist nicht so. Schreiben setzt einen anderen Lernprozess voraus, einen Wissenserwerb, für den gesellschaftliche Bildungseinrichtungen notwendig sind. Etwa 750 Millionen Erwachsene weltweit können nicht lesen und schreiben, eine ähnlich hohe Zahl beherrscht diese Fähigkeiten nur bruchstückhaft. Kriegsenkel haben alle Voraussetzungen, um von einer Schreibtherapie zu profitieren. Das Bildungsniveau in unserem Land ist hoch. Materielle Not und unmittelbare Bedrohungen gibt es für die meisten Menschen in Deutschland nicht. Im Sinne der Bedürfnis-Hierarchie nach Maslow (hier eine Einführung zu Motiv und Bedürfnis) eröffnet sich der Kriegsenkel-Generation somit die Möglichkeit, sich mit Sinn- und Daseins-Fragen auseinanderzusetzen.

„Schreiben für die Seele“ weiterlesen

Kriegsenkel – Meister der Erlebnisvermeidung

Was ist Erlebnisvermeidung?

„Experiental avoidance“ nennt es die anglo-amerikanische Literatur, und viele Kriegsenkel nutzen genau diese Erlebnisvermeidung zum Selbstschutz. Dabei handelt es sich um eine hochgradig dysfunktionale Strategie von Vermeidung innerhalb der Verdrängung. Sie beeinträchtigt zunehmend das Gefühlsleben der Betroffenen und hemmt die Wahrnehmung positiver Erfahrungen. Erlebnisvermeidung bedeutet, dass Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und körperliche Empfindungen, die im Zusammenhang mit traumatischer Erfahrung stehen (könnten), vermieden werden.

„Kriegsenkel – Meister der Erlebnisvermeidung“ weiterlesen

Expressives Schreiben & Trauma-Ausdruck

Expressives Schreiben als Interventionsmethode

Sie wurde erstmals 1986 von dem amerikanischen Psychologen James W. Pennebaker erforscht. Er konnte nachweisen, dass Studenten, die über emotional belastende Ereignisse schrieben, noch nach einiger Zeit weniger Arztkontakte brauchten als eine Vergleichsgruppe, die über Banales geschrieben hatte. In der Folgezeit wurde diese Schreibtherapie zu einem etablierten Verfahren in vielen Stress- und Trauma-Zentren. Ist sie auch für Kriegsenkel interessant?

„Expressives Schreiben & Trauma-Ausdruck“ weiterlesen