Trauma und Depression

Trauma und Depression treten oft gemeinsam auf

Über 4 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Depression. Viele von ihnen haben traumatische Erfahrungen hinter sich. Für die Betroffenen bedeutet dies ein meist chronisches Leiden. Und für die Gesellschaft entstehen immense Kosten durch Medikamente, Psychotherapie und vorzeitige Berentung. Ein Aspekt, der oft bei der Betrachtung einer Depression außer acht gelassen wird, ist die Verbindung zu einem früheren Trauma. Gehen Trauma und Depression immer Hand in Hand? In meiner Praxis fallen viele transgenerational Traumatisierte zunächst allein durch ihre Depression bzw. deren Folgestörungen auf.

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Das laute Schweigen der Kriegsenkel

Schweigen in der Kommunikation

Es steht im Alten Testament: „Ein jegliches hat seine Zeit (…) Schweigen hat seine Zeit, Reden hat seine Zeit“ (Prediger/Kohelet 3, 1-17). Was selbstverständlich scheint, ist heutzutage keineswegs mehr selbstverständlich. Da sprechen und lärmen die Dümmsten am lautesten. Und die Weisen hüllen sich in Schweigen. Aber ist Schweigen tatsächlich Gold?

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Toxisch – wenn Menschen Gift sind

Toxisch macht krank

Was bedeutet es, wenn andere Menschen toxisch für uns sind? Das Phänomen „Toxische Kommunikation“ ist seit längerer Zeit bekannt. Zudem kommt seit einigen Jahren vor allem in den USA) eine Diskussion darüber in Gang, dass ein gewisser Personenkreis offenbar „toxisch altert“. Diese Giftigkeit im Erleben und Verhalten kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Sie ist gefährlich, weil sie oft unerkannt bleibt und die Betroffenen „hineinzieht“. Die Kriegskinder-Generation in Deutschland scheint im Alter in höherem Maße anfällig zu sein. Nach bisherigen Schätzungen gehen Forscher in den USA von etwa 3-5 Prozent alter Menschen aus, die toxisch sind. Nach meinen Erfahrungen aus der Praxis sehe ich diesen Anteil in Deutschland bei deutlich über 5 Prozent.

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Kriegsenkel und ihr innerer Krieg

Bombenstimmung oder?

Innerer Krieg? Bei uns? Kriegerische Metaphern sind Teil unserer Sprache. Sie sind uns meistens nicht bewusst, aber was sagen sie über unser Unbewusstes aus? Die Anregung für diesen Artikel verdanke ich einem Post auf FB (Gaby, vielen Dank dafür). Wer Lust hat, einen kurzen Überblick über die Verwendung der Lingua militans, der Militärsprache, zu bekommen, kann einen Artikel der ZEIT aus 1966 (!) zu dem Thema lesen.

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Wollen und Dürfen – Probleme der Kriegsenkel

Ich darf… oder?

Unklare Fragen im Zusammenhang mit den eigenen Bedürfnissen scheinen ebenfalls typische Probleme der Kriegsenkel-Generation zu sein. Diese Menschen können ihre eigenen Wünsche oft gar nicht benennen. Und schon gar adäquat dafür eintreten. Schuldgefühle folgen meistens auf dem Fuße. So flüchten viele Kriegsenkel*Innen in emsige Aktivität, auch im Privatleben. Nach dem Motto: Bloß nicht mit sich allein sein! Denn dann kommen die Ahnungen der vernachlässigten Selbstfürsorge gepaart mit den Schuldgefühlen hoch. In meinem Buch Traumakinder gehe ich darauf intensiv ein.

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Die Angst der Kriegsenkel – das schwere Erbe

Gibt es eine „Angst der Kriegsenkel“?

Die Angst ist mein ständiger Begleiter. Sie ist da, ganz real und spürbar. Aber sie ist für mich nicht greifbar. Sie bleibt unnahbar. Wie eine Stimme hinter einem Vorhang oder im Nebel.

Solche und ähnliche Äußerungen höre ich häufig von Kriegsenkelinnen. Diese Menschen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren stehen mitten im Leben. Erwachsen, erfahren, in Krisen erprobt. Und oftmals dennoch tief verunsichert.

Ich will nicht als Verlierer dastehen. Erfolg bedeutet für mich Sicherheit. Dabei steigen die Ansprüche ständig. Sowohl die äußeren als auch meine eigenen. Das ist enorm anstrengend. Immer noch etwas weiter. Bloß keine Schwäche zeigen. Manchmal frage ich mich, wie lange das noch gut geht.

Überspitzt formuliert ist dies das männliche Äquivalent der Angst. Kriegsenkel treibt die Furcht vor Verlust und Misserfolg zu Höchstleistungen. Und wo diese Leistungen nicht erbracht werden (können), soll zumindest ein Bild oder Schein des Erfolgs gezeigt werden.

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Schuldgefühle – Schuld ohne Schuld?

Woher kommen unsere Schuldgefühle?

Schuldgefühle entstehen, wenn wir Normen und Gebote verletzen. Sie erfüllen insofern eine soziale Funktion. Unsere jeweilige Bezugsgruppe bestimmt quasi die Regeln, die also gemeinhin als Ethik oder Moral gelten können. Auf der Mikroebene ist diese Gruppe die Familie, also anfangs die Eltern und Geschwister, später der Partner und eigene Kinder. Die Mesoebene stellen Verwandte, Freunde, Schule, Arbeitsplatz etc. dar. Schließlich finden sich auf der Makroebene „Gesellschaft und Staat“. Schuldgefühle sind eine Art innerseelischer Sanktion, die Schuld und Strafe vorwegnimmt. Sie stehen dabei mit dem Gewissen in Verbindung, das das Wissen um die (mögliche) Regelübertretung und deren Folgen darstellt.

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Spiegelneurone und Kriegsenkel

Spieglein, Spieglein… unsere Spiegelneurone

Haben Kriegsenkel*Innen deshalb oft Probleme, Gefühle zu erkennen und zu äußern, weil ihre Spiegelneurone nicht oder anders funktionieren? Und woran liegt das? Die Ursachen hierfür können – wieder einmal – vielfältig sein. Das Erziehungsklima der 1950er bis 1970er führte häufig bei Kindern zu einem gestörten Bindungsverhalten. Elterliche Traumatisierung (sie waren ja die Kriegskinder) blockierte einen natürlichen Umgang mit Gefühlen. Oftmals blieben die Kinder (die späteren Kriegsenkel) mit ihren Empfindungen allein und unverstanden. Bedürfnisse wurden unterdrückt (durch Ignorieren, Lächerlich-Machen, Abstrafung etc.). Kinder wurden sogar häufig zu einer Art Ersatzeltern für die eigenen Eltern (Parentifizierung). Sie begannen, sich für das Wohlergehen der Eltern verantwortlich zu fühlen. Eigene Bedürfnisse blieben dabei auf der Strecke. Sie gerieten sogar in Vergessenheit. Hinzu kamen Schuldgefühle für ein Geschehen (das elterliche Befinden), das eigentlich außerhalb ihrer Verantwortlichkeit lag.

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Das deutsche Trauma als Chance?

Können Kriegsenkel*Innen ihr Trauma als Chance begreifen?

Was haben ein Völkermord und die tibetische Tonglen-Meditation miteinander zu tun? Auf den ersten Blick: nichts. Auf den zweiten Blick: eine Menge. Tonglen ist eine Meditations-Form des tibetischen Buddhismus. Einfach ausgedrückt (Kenner der Materie mögen mir Ungenauigkeiten verzeihen) geht es um die Transformation des Leids der Welt. Das Leiden und die mit ihnen verbundenen Gefühle werden aufgenommen. Und den Mitwesen (ausdrücklich allem, was lebt!) wird Mitgefühl zuteil. Schließlich sendet die/der Meditierende Licht, Segen, Gutes aus. Letztlich erinnerte mich dies an das christliche Herzensgebet (auch Jesus-Gebet genannt).

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Negative Glaubenssätze der Kriegsenkel

Negative Glaubenssätze behindern die Selbstverwirklichung

In der kognitiven Verhaltenstherapie werden Überzeugungen, die dysfunktional wirken, als negative Kognitionen bezeichnet. Negative Glaubenssätze werden quasi verinnerlicht und stellen eine Art „Glaube an die Welt und mein Dasein in ihr“ dar. Sie wirken sich meistens hinderlich auf die persönliche Entfaltung und Selbstverwirklichung aus. Dabei sind Menschen mit negativen Glaubenssätzen nicht notwendig erfolglos oder gescheitert. Oftmals verfolgen sie (materielle) Ziele konsequent und unnachgiebig. Ein typisches Beispiel für einen Glaubenssatz, der zu äußerlichem Erfolg führen kann, ist: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.

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