Grenzen der Maßlosigkeit

Wo endet die Maßlosigkeit?

Wird Maßlosigkeit zum Lebensprinzip? Es stimmt schon nachdenklich, wenn wir Donald, Recep, Wladimir & Co. betrachten. Oder das schamlose Vorgehen vieler Großunternehmen. Aber nicht nur in Politik und Wirtschaft nimmt Maßlosigkeit zu. Auch die kleinen Rädchen unseres Berufs- und Privatlebens drehen sich immer schneller. Höher, weiter, größer. Nimmt es da Wunder, dass diejenigen, die uns „führen“, aus demselben Holz geschnitzt sind? Können wir uns gerade deshalb so trefflich echauffieren, wenn D.T. oder R.E. wieder mal aus der Rolle fallen? Trifft sie unser Hass, weil wir selbst die Wurzeln dieses Hasses in uns tragen? Sind diese Leute die personifizierten dunklen Schatten unseres Selbst? Wären wir nicht gern – um mit Nietzsche zu sprechen – auch so ein „Übermensch“? Ausgestattet mit Macht und Geld? Vermeintlich frei, zu tun und zu lassen, was wir wollen?

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Empathie – vom Leiden und Fühlen

Leiden wir durch Empathie?

Empathie ist ohne Zweifel sozial erwünscht. Kein noch so narzisstischer Egomane wird sich offen dazu bekennen, dass er/sie rücksichtslos und unbarmherzig „über Leichen geht“. Vielmehr gilt Empathie als eine soziale Schlüsselkompetenz, die Erfolg und Zufriedenheit im Leben (was immer dies sei) verspricht. Umso erstaunlicher ist es, dass es an einem wirklichen Konsens über Bedeutung und Definition fehlt. Nicht nur wissenschaftlich, auch in der Alltagspsychologie ist der Begriff Empathie in aller Munde, aber klar umrissene Inhalte finden sich oft nicht.

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Ärzte im Dritten Reich

Wie Ärzte im Dritten Reich unser Urvertrauen zerstörten

Eigentlich wollte ich nur ein wenig im Netz stöbern, als ich dann doch – wie so oft – wieder zu „meinem“ Kriegsenkel- und Trauma-Thema fand, diesmal auf Umwegen. Und in Form der Rolle der Ärzte im Dritten Reich. Nun gehöre ich ja, wie manche wissen, auch diesem Berufsstand an. Und gerade deshalb stehe ich in der Verantwortung, mich mit der Funktion der Ärzteschaft während der Nazi-Herrschaft intensiv auseinander zu setzen.

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Wer kennt eigentlich Klabund ?

Klabund und der Krieg

Wenn wir an die deutsche „große Literatur“ zum Ersten Weltkrieg denken, kommt uns meist Remarque mit „Im Westen nichts Neues“ in den Sinn, aber wer bitte schön ist Klabund? Mit dem bürgerlichem Namen Alfred Georg Hermann Henschke wurde Klabund 1890 geboren. Er entschied sich früh, als Schriftsteller zu arbeiten. Bereits in Jugendjahren erkrankte er an schwerer Tuberkulose und gehörte somit zu den schwindsüchtigen Literaten seiner Zeit, die – in Ahnung ihres frühen Ablebens – einen irrwitzigen Schaffensprozess auf dem Vulkan ihres Lebens tanzten.

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Toxische Menschen: Das Phänomen Trump

Kriegsenkel kennen viele toxische Menschen

Mein Sohn hat einen Kumpel, der – naja sagen wir – ziemlich unberechenbar ist. Lautstärke, Tischmanieren, Rücksichtnahme, Spielverhalten. Es gäbe Verbesserungsbedarf (in meiner Weltsicht, er sieht es sicher anders). Wenn er dann abends weg ist, denke ich oft: Oh, so schlimm war das Ganze gar nicht.

Soll D.T. unser neuer Kumpel sein? Laut und ungezogen? Probiert er an uns seine Grenzen aus? Wieviel tolerieren wir? Und wollen wir am Ende sagen: Oh, so schlimm war er ja gar nicht?

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Kleines Mädchen Wassermann

H. Wassermann zum Gedenken

Ich war heute in der Gedenkstätte „Kinder vom Bullenhuser Damm“ und dort kamen mir die Zeilen für ein „Kleines Mädchen Wassermann“ in den Sinn. Den Text findet ihr weiter unten. Für alle, die den Ort nicht kennen, hier ein paar Informationen:

Die Schule am Bullenhuser Damm in Hamburg war Ende April 1945 zu einem Ort des Grauens geworden. Aus dem Konzentrationslager Neuengamme wurden 20 Kinder hierher gebracht, um sie zu töten. Der SS-Arzt Kurt Heißmeyer hatte Menschenversuche an ihnen durchgeführt, und nun sollten „die Spuren beseitigt“ werden.

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Rilke-Trauma und der Torso Apollos

 Das Rilke-Trauma: Dichtung und Wahrheit

Das Psychogramm eines Verstorbenen entwerfen zu wollen, wird in den meisten Fällen misslingen. Zudem ist es höchst unfair schon im Ansatz, wird doch die/der Betreffende keine Einwände und Ergänzungen mehr machen können. Ganz abgesehen vom zweifelhaften „Wahrheitsgehalt“ eines solchen Anspruchs. Im Falle Rainer Maria Rilkes ist es auch schon oft versucht worden, ich werde mich hier auf Hinweise zu seinen traumatischen Erlebnissen beschränken:

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Berichte von Zeitzeugen

Warum sind Berichte von Zeitzeugen wichtig?

Berichte von Zeitzeugen vermitteln recht authentisch Stimmungsbilder. Dabei ist für uns heute kaum entscheidbar, was wahr oder falsch ist. Geschichte entsteht für das Individuum im Entwurf der eigenen Geschichte. Fakten können – absichtlich oder unabsichtlich – vertauscht, ausgelassen und uminterpretiert werden. Letztlich können nur die Rahmenbedingungen auf ihre Glaubwürdigkeit hin geprüft werden. Man möge sich vorstellen, einen Zeitzeugen der Geschehnisse von 1933 bis 1945 zu befragen, ob er/sie „ein Nazi“ gewesen sei. Wir würden auf eine solche Frage schwerlich eine „historisch korrekte“ Antwort erhalten.

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Zeitzeugen aus dem Netz

Berichte von Zeitzeugen – wertvolle Dokumente

Ich habe die Schilderung eines Zeitzeugen (Jahrgang 1921) im Netz gefunden. Dieser Mann war im Krieg und kehrte zurück. Er erlebte als 24jähriger, dass sein Vater vor den Trümmern seiner Existenz stand. Nicht etwa, weil alles zerbombt, geplündert oder requiriert war. Nein, Werner Morks Vater war als Parteimitglied der NSDAP von der sogenannten Entnazifizierung durch die Siegermächte betroffen. Unter anderem durften politisch Aktive (dazu zählte man ehemalige Parteigenossen) keine öffentlichen Lokale führen. Die Erzählung von Werner Mork (in Auszügen, voller Text unter dem Link):

„Der Ex-Parteigenosse und ich, sein Sohn“

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