Von Macht und Ohnmacht

Macht und Ohnmacht & Trauer und Wut

Das Buch „Abschied von Sidonie“ hat mich total berührt. Ich kann nicht wertfrei, analysierend oder gar neutral über dieses Buch, diese Geschichte schreiben. Sie macht mich wütend. Traurig. Nachdenklich. Wäre ich ein Bürger dieser Gemeinde gewesen, hätte ich 1943 anders gehandelt? Es macht Angst, über so etwas nachzudenken. Macht und Ohnmacht. Waren „die kleinen Leute“ damals ohnmächtig? Oder haben sie nicht vielmehr die Macht genährt durch ihr Untätigsein? Es gipfelt bei dieser Geschichte in der einfachen und schrecklichen Frage: Wäre dieses Mädchen – Sidonie –  zu retten gewesen?

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MSL proudly presents: Yvonne Jarré

MSL präsentiert „Ein kleines Stück Paris“ von Yvonne Jarré. Gerade erst erschienen, und ich habe es schon gelesen (trotz eines chronischen Zeitmangels 😉 )

Was hat dieser Roman, der im Paris der Gegenwart spielt, mit der Kriegsenkel-Thematik zu tun? Nun, auf den ersten Blick nicht viel. Georg, ein „Aussteiger“ und das schwarze Schaf seiner biederen, deutschen Familie, ist verstorben. In Paris, wo er seit Jahrzehnten lebte. Das machte mich schon mal neugierig. Schließlich sind das ja die Sehnsuchtsorte der Deutschen, unsere „kleinen Fluchten“: Italien und Südfrankreich, Toskana und Provence, Florenz und – eben – Paris. Und der Autorin gelingt es, in ihrer Geschichte viele kleine, bezaubernde Typologien des „normalen“ Menschen zu zeichnen. Dabei ist die Hauptfigur tatsächlich – wie sich für den „Kenner“ schnell herausstellt – eine (späte) Kriegsenkelin. Wir haben es bei „Ein kleines Stück Paris“ mit der heiteren, Gott sei Dank aber intelligent umgesetzten Geschichte einer Selbstsuche zu tun. „MSL proudly presents: Yvonne Jarré“ weiterlesen

Rebecca West: Die Rückkehr

Kann man bei Rebecca West und ihrem Erstlingsroman „The Return of the Soldier“ von einer „Entdeckung“ sprechen? Schließlich verstarb die Autorin bereits 1983 im Alter von 90 Jahren. Und das Buch erschien 1918. Nach fast 100 Jahren liegt es nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Mich hat erstaunt, dass es nicht bereits während der medialen Hype um den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 2014 erschienen ist. Was macht es so besonders?

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Reflexionen zu „Altes Land“ von Dörte Hansen

Mit dem Roman „Altes Land“ von Dörte Hansen habe ich eine seltsame Erfahrung gemacht. Ich habe das Buch an eine ältere, mir bekannte Dame verschenkt. Ich weiß, dass sie selbst eine Vertriebene aus Hinterpommern ist. Sie kam 1945 mit ihrer Mutter im Osten Hamburgs an. Der Vater war an der Ostfront gefallen. Die Dreijährige musste mit ihrer Mutter neu anfangen. Die alte Frau lebt noch heute in der Wohnung, die sie Mitte der 1950er mit ihrer Mutter bezogen hatte. Sie hat nie geheiratet. Sie hat ein Zuhause, aber keine Heimat, wie sie sagt.

Nun dachte ich, „Altes Land“ wäre genau das Richtige für sie. Sensibel geschrieben, nicht belehrend. Nicht „zu tief“ mit einer Portion distanzierter Ironie. Ich habe es als Ebook gelesen und nicht auf die Seitenzahl geachtet. So kam ich plötzlich zur letzten Seite und war überrascht. Was? Schon zu Ende? fragte ich mich. Gut so! Ich war von den Charakteren eingenommen, wollte mehr wissen. Da ist es gut, wenn man aufhört, wenn es am Schönsten ist.

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MSL proudly presents (1):

… Rafaela Thoumassian („Werwolf oder Taube“)

Uff. Da geht es in der Rubrik „MSL proudly presents“ gleich mit hartem Stoff los. Im Juni gab es gerade erst die sogenannte „Armenien-Resolution“ im Bundestag. Darin wurde an den Völkermord an Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915/16 erinnert. Dieses kollektive Trauma ist also noch dreißig Jahre älter als das der Deutschen (und natürlich aller Opfer des Nationalsozialismus). Einfühlsam greift die Autorin in ihrem Buch das Fortwirken der Traumatisierung (auch noch in der Urenkel-Generation!) auf. Hier eine Rezension von Ulrich Klan (Autor, Pädagoge, Mitbegründer und Vorsitzender der „Armin T. Wegner Gesellschaft e.V.“):

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Ist es wirklich lesenswert?

Tja. Der Buchmarkt ist groß. Für eine erste (und grobe) Orientierung habe ich ein paar Buchtipps aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch und Fachliteratur zusammengestellt.

Wer unter euch als Autor(in) tätig ist, kennt das Problem der Unüberschaubarkeit. Und fragt sich vielleicht oft: Wo unter den 5.800 ausgestellten Büchern in der Megaplex-Buchhandlung steht mein Werk?

Und wer als interessierter Kunde steigt da noch durch?

Glücklich in fünf Minuten.
Panik besiegen mit der Titanic-Methode.
Hauen Sie ruhig zu, das befreit.
Mentalfasten – der Weg zu mehr Gelassenheit.
So oder ähnlich prostituieren sich doch manche Titel auf dem „Sachbuch“- und „Ratgeber“-Markt (oder übertreibe ich da etwa?).

Bei der Belletristik sieht es nicht anders aus. Wie also kommen wir an gute Infos zu Romanen und Sachbüchern zu „unserem“ Thema? Oder vielleicht möchte jemand mal einen Fachartikel zur Epigenetik oder zur Traumaforschung lesen?

In dieser Kategorie kann über Lesenswertes diskutiert werden. Oder ihr gebt Vorschläge zu Ergänzungen. Toll wären kleine Buchbesprechungen. Genau das hilft nämlich, das Chaos am Buchmarkt etwas zu ordnen.